Fragen ohne Ende bei Veranstaltung zu „Pandemie ohne Ende?

Bei Bürgersprechstunde des Abgeordneten Dominik Spitzer steht auch der Virologe Matthias Lapatschek drei Stunden lang Rede und Antwort
Bei der Bürgersprechstunde des Abgeordneten Dominik Spitzer steht auch der Virologe Matthias Lapatschek drei Stunden lang Rede und Antwort  

Kempten

Die Fragen gehen nicht aus an diesem Abend. Fragen zu Corona-Impfungen, zu Covid-Tests oder zur Sinnhaftigkeit von Maßnahmen gegen die Pandemie. Rede und Antwort dazu stehen über drei Stunden lang der Virologe und Laborarzt Dr. Matthias Lapatschek sowie der FDP-Landtagsabgeordnete Dr. Dominik Spitzer, der selbst Hausarzt ist. Spitzer selbst hatte Interessierte in Kempten zur Bürgersprechstunde mit dem Thema „Corona: Pandemie ohne Ende?“ eingeladen.

Ein Lockdown für Ungeimpfte, wie derzeit diskutiert wird, sei der falsche Weg, so Spitzer. Auch eine generelle Impfpflicht „gilt es, zu vermeiden“, sagt er eingangs. Für medizinische Bereiche könne er sich eine Pflicht dagegen vorstellen. „Wer als Mitarbeitender im Krankenhaus oder in der Pflege arbeitet, trägt eine besondere Verantwortung“, erklärt der Mediziner und beschreibt ein Bild seines Praxisalltags. „Die Intensivstationen laufen über, in meiner Praxis werden inzwischen rund 80 Prozent der Patienten mit Symptomen positiv auf Corona getestet“, umreißt Spitzer für die rund 20 Gäste die derzeitige Lage. Die Auffrisch-Impfungen, sogenannte „Booster“ nähmen nun an Fahrt auf. Wie Lapatschek wirbt er unermüdlich dafür, sich immunisieren zu lassen. Der Laborarzt ist sich sicher: „Alle, die nicht geimpft sind, werden sich infizieren.“ Ein Hauptproblem sieht Spitzer im deutschlandweiten Nord-Süd-Gefälle. Im Süden ist die Impfquote niedriger. „Um in der Pandemiebe-kämpfung voranzukommen, ist es außerdem wichtig, die Inzidenzwerte besser aufzuschlüsseln“, so der Gesundheitspolitiker. Laborarzt Lapatschek räumt indes mit dem Vorurteil auf, eine schwere Corona-Erkrankung treffe keine jungen Menschen: „Das Alter allein ist nicht entscheidend. Es sollte sich jeder boostern.“ Das Warten auf einen zugelassenen Tot-Impfstoff, der immer wieder von Ungeimpften ange-führt werde, die der neuen Serum-Generation nicht trauen, sei verlorene Zeit. Spitzer: „Wir haben über eine Milliarde Menschen geimpft. Ich weiß nicht, wieviele Probanden wir noch brauchen, um manche zu überzeugen.“ An seine niedergelas-senen Kollegen appelliert er, wieder zu impfen: „Die Zentren können so schnell nicht hochfahren.“

Die wichtigsten Fragen der Gäste:

Der Impfstoff wurde für ein bestimmtes Virus hergestellt. Nun gibt es eine vorherrschende Variante namens Delta. Bringt hier die Booster-Impfung überhaupt etwas?
Lapatschek: Die vorhandenen Impfstoffe sind zwar gegen die erste Generation des Virus gerichtet und wirken gegen die neuen Varianten zum Teil etwas schlechter. Dennoch erhöht eine Booster-Impfung den Schutz auch gegen die Delta-Variante deutlich und ist sinnvoll. In der Zukunft werden die neuen Impfstoffe kommen und man wird die Varianten bei den nächsten Generationen mitberücksichtigen. Es gibt auch Entwicklungen, sie in Zukunft anderweitig zu verabreichen – beispielsweise als Nasenspray.

Gibt es festgelegte Werte, wie hoch die Antikörper sein müssen, um vor einer schweren Infektion geschützt zu sein?
Lapatschek:  Zum Titer gibt es noch keine Empfehlung, doch immer mehr Studien dazu, die eine Richtung vorgeben. Wenn ein Titer unter 100 abfällt, würde ich persönlich mich auffrischen lassen. Auch, wenn der Abstand zur letzten Impfung noch keine sechs Monate her ist.
Spitzer: Als Arzt ist es nicht ratsam, sich hier festzulegen. Dass wir in Bayern auf fünf Monate Abstand zur Booster-Impfung gehen, begrüße ich sehr – es gibt viel-versprechende Studien aus Israel dazu. Allerdings fehlt die Empfehlung der Stiko (ständige Impfkommission; Anm. d. Red.). Ich würde mir mehr Engagement und schnellere Entscheidungen von diesem Gremium wünschen und anregen, die Ehrenamtlichkeit für dieses zu überdenken.

Wann sollte nach einem Kontakt mit einer corona-positiven Person frühestens ein PCR-Test gemacht werden?
Lapatschek: Zwei bis drei Tage nach dem Kontakt ist es sinnvoll.

Welche Vor- und Nachteile haben sogenannte Lollytests?
Spitzer: Sie sind einfach in der Handhabung, mit den Wattetupfern im Mund kommen schon kleine Kinder spielerisch gut zurecht.
Lapatschek: Das Virus ist aber schlechter nachweisbar als bei einem ordentlich abgestrichenen PCR-Test. Es geht dabei einfach darum, eine hohe Virenlast also eine große Ansteckungsgefahr zu erkennen.

Warum kommt es vor, dass Schnelltests positiv anzeigen, aber die Kontrolle durch einen PCR-Test negativ ist?
Lapatschek: Man kann das mit einem Vergleich erklären. Der Eiweißanzeiger bei einem Schnelltest stellt einen einfachen Schlüssel dar, der auch mal ein anderes, „falsches“ Schloss aufsperrt. Beim PCR-Test gibt es sozusagen ein Sicherheitsschloss, das eindeutig passen muss.